
Stillen ist in Deutschland weit verbreitet – doch wie viele Mütter stillen tatsächlich ausschließlich und wie lange? Die aktuellen verfügbaren Daten zeigen ein interessantes Bild: Die große Mehrheit der Mütter beginnt mit dem Stillen, aber der Anteil der ausschließlich gestillten Babys sinkt in den ersten Lebensmonaten deutlich.
Für 2026 ist dabei wichtig, zwischen Stillen insgesamt, vollem Stillen und ausschließlichem Stillen zu unterscheiden. Außerdem gibt es für Deutschland noch keine jährlich erhobene, vollständig aktuelle Stillstatistik. Die wichtigsten repräsentativen Daten stammen aus Studien wie KiGGS des Robert Koch-Instituts und SuSe II zur Säuglingsernährung.
Besonders interessant sind die Ergebnisse von SuSe II: Rund 96 Prozent der teilnehmenden Mütter versuchten nach der Geburt zu stillen. Nach zwei Monaten wurden 67,4 Prozent der Babys ausschließlich gestillt, nach vier Monaten waren es 55,8 Prozent. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil also deutlich ab.
Stillen in Deutschland 2026: Die wichtigsten Zahlen
| Kennzahl | Anteil |
|---|---|
| Mütter, die laut SuSe II einen Stillversuch unternahmen | 96 % |
| Ausschließlich gestillt nach 2 Monaten | 67,4 % |
| Ausschließlich gestillt nach 4 Monaten | 55,8 % |
| Ausschließlich gestillt nach 6 Monaten | 8 % |
| Insgesamt gestillt nach 4 Monaten | 82,3 % |
| Insgesamt gestillt nach 12 Monaten | 41,1 % |
Die Zahlen stammen überwiegend aus SuSe II und sind deshalb nicht als jährliche Statistik für alle im Jahr 2026 geborenen Kinder zu verstehen. Sie geben vielmehr einen aktuellen wissenschaftlichen Orientierungswert für das Stillverhalten in Deutschland.
Was bedeutet „voll stillen“?
Bei Statistiken zum Stillen werden verschiedene Begriffe verwendet.
Ausschließliches Stillen bedeutet, dass das Baby nur Muttermilch erhält. Nach der WHO zählen dazu weder Säuglingsnahrung noch andere Lebensmittel oder Getränke – auch kein zusätzliches Wasser. Ausgenommen sind beispielsweise Medikamente oder Vitaminpräparate.
Teilweises Stillen bedeutet dagegen, dass zusätzlich zur Muttermilch beispielsweise Säuglingsanfangsnahrung oder später Beikost gegeben wird.
Stillen insgesamt umfasst somit sowohl ausschließliches als auch teilweises Stillen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn ein Baby kann beispielsweise mit sechs Monaten weiterhin gestillt werden, obwohl es bereits Beikost bekommt. Es gilt dann nicht mehr als ausschließlich gestillt.
Wie viele Mütter beginnen überhaupt mit dem Stillen?
Die Stillbereitschaft ist in Deutschland ausgesprochen hoch.
Nach den Daten der KiGGS-Welle 2 wurden fast neun von zehn Kindern jemals gestillt. In der SuSe-II-Untersuchung gaben sogar rund 96 Prozent der teilnehmenden Mütter an, nach der Geburt einen Stillversuch unternommen zu haben.
Das bedeutet: Das grundsätzliche Interesse am Stillen ist wesentlich höher als die späteren Quoten des ausschließlichen Stillens.
Der größte Rückgang findet in den ersten Lebensmonaten statt.
Stillquote nach zwei Monaten
Nach den SuSe-II-Daten wurden 67,4 Prozent der Babys im Alter von zwei Monaten ausschließlich gestillt. Gleichzeitig wurden zu diesem Zeitpunkt noch deutlich mehr Kinder zumindest teilweise gestillt.
Damit zeigt sich bereits früh ein Unterschied zwischen „Stillen überhaupt“ und „ausschließlich stillen“.
Ein Teil der Mütter beginnt beispielsweise mit dem Stillen und ergänzt später mit Säuglingsnahrung. Andere reduzieren die Stillhäufigkeit oder stillen nur noch zu bestimmten Tageszeiten.
Stillquote nach vier Monaten
Besonders interessant ist die Entwicklung bis zum vierten Lebensmonat.
Bei SuSe II wurden zu diesem Zeitpunkt 55,8 Prozent der Babys ausschließlich gestillt. Gleichzeitig wurden insgesamt 82,3 Prozent der Babys noch gestillt.
Das bedeutet: Mehr als vier von fünf Babys erhielten mit vier Monaten noch Muttermilch, während etwas mehr als die Hälfte ausschließlich gestillt wurde.
Damit wird deutlich, warum die reine Angabe einer „Stillquote“ ohne Definition schnell missverständlich sein kann.
Und wie viele Babys werden sechs Monate voll gestillt?
Hier zeigt sich der größte Unterschied zwischen dem internationalen Ziel und der tatsächlichen Situation in Deutschland.
Die WHO und UNICEF empfehlen, Babys während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich zu stillen und anschließend geeignete Beikost einzuführen, während das Stillen weitergeführt werden kann.
Die SuSe-II-Daten zeigen dagegen eine deutlich niedrigere Quote: Nur etwa 8 Prozent der untersuchten Babys wurden bis zum vollendeten sechsten Monat ausschließlich gestillt.
Auch die ältere KiGGS-Welle 2 kam auf eine niedrige Quote. Für die Geburtsjahrgänge 2012 bis 2016 lag der Anteil des ausschließlichen Stillens bis zum sechsten Monat bei 12,5 Prozent.
Die beiden Zahlen sind allerdings nicht direkt miteinander vergleichbar, weil die Studien unterschiedliche Erhebungszeiträume und Studiendesigns haben.
Warum sinkt die Stillquote mit zunehmendem Alter des Babys?
Der Rückgang hat verschiedene Ursachen.
Viele Mütter erleben in den ersten Wochen und Monaten Stillprobleme. Dazu gehören beispielsweise:
- Schmerzen beim Stillen
- wunde Brustwarzen
- Unsicherheit über die Milchmenge
- Schwierigkeiten beim Anlegen
- Milchstau
- Erschöpfung
- Probleme beim Abpumpen
- Rückkehr in den Beruf
- fehlende Unterstützung
- gesundheitliche Probleme von Mutter oder Kind
In der KiGGS-Welle 2 wurde zu wenig Muttermilch besonders häufig als Grund genannt, wenn Mütter nicht mit dem Stillen begonnen hatten oder bereits vor sechs Monaten abstillten.
Die SuSe-II-Auswertung kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass wahrgenommene Stillprobleme und die Bedingungen der postnatalen Versorgung eine wichtige Rolle für die Stilldauer spielen.
Wie lange stillen Mütter durchschnittlich?
Die Dauer des Stillens hängt stark davon ab, ob ausschließlich oder teilweise gestillt wird.
Die SuSe-II-Daten zeigen, dass 41,1 Prozent der Kinder im Alter von zwölf Monaten noch gestillt wurden.
Das ist eine wichtige Zahl, denn sie zeigt: Auch wenn das ausschließliche Stillen nach den ersten Monaten deutlich seltener wird, bleibt Stillen bei einem erheblichen Teil der Familien über das erste Lebenshalbjahr hinaus Bestandteil der Ernährung.
Ab sechs Monaten geht es ohnehin nicht mehr darum, ausschließlich zu stillen. Die WHO empfiehlt dann die Einführung geeigneter Beikost bei gleichzeitigem Weiterstillen.
Die WHO-Empfehlung: Sechs Monate ausschließlich stillen
Die internationale Empfehlung ist eindeutig: WHO und UNICEF empfehlen, Babys möglichst innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt anzulegen und während der ersten sechs Monate ausschließlich zu stillen. Ab sechs Monaten soll geeignete Beikost eingeführt werden, während weiter gestillt werden kann – bis zu zwei Jahre oder länger.
Dabei handelt es sich um eine bevölkerungsbezogene Empfehlung, nicht um eine Vorgabe, die jede Mutter unter allen Umständen erfüllen muss.
Die WHO betont ausdrücklich, dass Mütter Unterstützung erhalten sollten und dass auch Frauen, die nicht ausschließlich stillen können oder möchten, Unterstützung bei einer guten Ernährung ihres Kindes benötigen.
Deutschland liegt beim ausschließlichen Stillen unter dem WHO-Ziel
International hat sich die Stillquote zwar verbessert. Nach Angaben der WHO wurden 2024 weltweit etwa 48 Prozent der Säuglinge unter sechs Monaten ausschließlich gestillt. Das ursprüngliche globale Ziel von 50 Prozent bis 2025 wurde damit fast erreicht.
Die WHO-Mitgliedstaaten haben inzwischen ein neues Ziel beschlossen: Bis 2030 soll der Anteil weltweit auf 60 Prozent steigen.
Die deutsche Situation ist mit dem weltweiten Wert allerdings nicht unmittelbar vergleichbar, weil die Datenerhebungen unterschiedliche Methoden und Bevölkerungen verwenden.
Für Deutschland zeigen die verfügbaren Studien jedenfalls, dass das ausschließliche Stillen bis sechs Monate deutlich seltener vorkommt als die Empfehlung vorsieht.
Warum ist Stillen nach sechs Monaten trotzdem sinnvoll?
Die Empfehlung, ab sechs Monaten Beikost einzuführen, bedeutet nicht, dass Stillen danach keinen Nutzen mehr hat.
Muttermilch bleibt auch im zweiten Lebenshalbjahr eine wertvolle Quelle für Energie und Nährstoffe. Gleichzeitig steigt der Nährstoffbedarf des Kindes, weshalb zusätzliche Lebensmittel erforderlich werden.
Die WHO empfiehlt deshalb ausdrücklich eine Kombination aus Beikost und weiterem Stillen.
Auch über das erste Lebensjahr hinaus kann weiter gestillt werden. Die WHO nennt zwei Jahre oder länger als mögliche Dauer, sofern Mutter und Kind dies wünschen.
Stillen und Gesundheit
Muttermilch enthält zahlreiche Nährstoffe und bioaktive Bestandteile. Stillen wird unter anderem mit einem geringeren Risiko bestimmter Infektionen beim Säugling in Verbindung gebracht.
Die WHO nennt insbesondere einen Schutz vor Magen-Darm-Infektionen und weist auf weitere gesundheitliche Vorteile für Kind und Mutter hin.
Auch für die Mutter kann Stillen gesundheitliche Vorteile haben. Gleichzeitig sollte die Entscheidung für oder gegen das Stillen nicht ausschließlich über medizinische Vorteile bewertet werden.
Was beeinflusst die Stilldauer?
Die Stilldauer wird von vielen Faktoren beeinflusst.
Dazu gehören unter anderem:
Persönliche Stillabsicht
Mütter, die bereits vor der Geburt fest entschlossen sind zu stillen, beginnen häufiger mit dem Stillen und stillen tendenziell länger.
Unterstützung nach der Geburt
Eine gute Stillberatung kann helfen, Probleme beim Anlegen oder bei der Milchbildung frühzeitig zu erkennen.
Geburt und Wochenbett
Komplikationen bei Mutter oder Kind können den Stillbeginn erschweren. Auch eine Trennung von Mutter und Baby kann sich negativ auf den Stillstart auswirken.
Beruflicher Wiedereinstieg
Die Rückkehr in den Beruf kann die Organisation des Stillens erschweren. Abpumpen, Stillpausen und geeignete Aufbewahrungsmöglichkeiten für Muttermilch können hier eine Rolle spielen.
Wahrgenommene Milchmenge
„Zu wenig Milch“ gehört laut den deutschen Studien zu den häufig genannten Gründen für Schwierigkeiten mit dem Stillen. Dabei ist die subjektive Einschätzung der Milchmenge nicht automatisch gleichbedeutend mit einer tatsächlich unzureichenden Milchproduktion.
Stillen ist nicht immer einfach
Die hohe Stillquote zu Beginn sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Mütter Unterstützung benötigen.
Die SuSe-II-Studie zeigt, dass die meisten untersuchten Kliniken zwar wichtige strukturelle Voraussetzungen für Stillförderung umgesetzt hatten, bei der praktischen Unterstützung von Müttern aber weiterhin Verbesserungsbedarf bestand.
Gerade die ersten Tage nach der Geburt können entscheidend sein. Gute Beratung kann beispielsweise helfen, das korrekte Anlegen zu lernen und Unsicherheiten bezüglich der Milchmenge besser einzuschätzen.
Stillstatistik 2026: Was sagen die Zahlen wirklich?
Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich in wenigen Punkten zusammenfassen:
Fast alle Mütter möchten stillen: In SuSe II versuchten rund 96 Prozent der teilnehmenden Mütter, nach der Geburt zu stillen.
Die meisten Babys bekommen zumindest zeitweise Muttermilch: In KiGGS wurden fast neun von zehn Kindern jemals gestillt.
Die ausschließliche Stillquote sinkt mit der Zeit: Bei SuSe II lag sie nach zwei Monaten bei 67,4 Prozent und nach vier Monaten bei 55,8 Prozent.
Sechs Monate ausschließlich stillen ist deutlich seltener: SuSe II kam auf etwa 8 Prozent, KiGGS Welle 2 auf 12,5 Prozent in der entsprechenden Geburtsjahrgangsgruppe.
Stillen über das erste Halbjahr hinaus ist wesentlich häufiger: In SuSe II wurden mit zwölf Monaten noch 41,1 Prozent der Kinder gestillt.
Warum gibt es 2026 keine jährliche deutsche Stillquote?
Ein häufiger Fehler bei Artikeln über Stillstatistiken besteht darin, alte Studienwerte als aktuelle Jahresstatistik darzustellen.
Deutschland verfügt bislang nicht über eine jährlich aktualisierte, bundesweit repräsentative Statistik, die für jedes Geburtsjahr exakt ausweist, wie viele Babys beispielsweise zwei, vier, sechs oder zwölf Monate gestillt wurden.
Das Robert Koch-Institut verweist beim Stillmonitoring unter anderem auf die KiGGS-Daten aus den Erhebungszeiträumen 2009–2012 und 2014–2017.
SuSe II liefert zusätzliche Daten zur Säuglingsernährung und wurde später durchgeführt. Auch diese Untersuchung ist aber nicht mit einer jährlich fortgeschriebenen Bevölkerungsstatistik gleichzusetzen.
Deshalb sollte man für 2026 formulieren: Die aktuell verfügbaren deutschen Studien zeigen diese Größenordnungen – und nicht: „2026 stillen exakt X Prozent der deutschen Mütter.“
Fazit: Die meisten beginnen mit dem Stillen, aber nur wenige stillen sechs Monate ausschließlich
Die Stillstatistik für Deutschland zeigt einen deutlichen Verlauf.
Der Start ist sehr häufig: Rund 96 Prozent der Mütter in SuSe II versuchten zu stillen. Nach zwei Monaten waren noch rund 67 Prozent der Babys ausschließlich gestillt, nach vier Monaten 55,8 Prozent. Bis zum sechsten Monat sank die Quote auf etwa 8 Prozent. Gleichzeitig wurden mit vier Monaten insgesamt noch 82,3 Prozent und mit zwölf Monaten 41,1 Prozent der Kinder gestillt.
Damit zeigt sich ein wichtiger Unterschied: Ausschließliches Stillen und Stillen insgesamt sind zwei verschiedene statistische Größen.
Die WHO empfiehlt sechs Monate ausschließliches Stillen und anschließend Beikost bei weiterem Stillen. Die deutschen Daten zeigen jedoch, dass dieses Ziel im Alltag nur von einer Minderheit erreicht wird.
Für die Zukunft dürfte deshalb nicht nur die Stillabsicht entscheidend sein. Ebenso wichtig sind gute Unterstützung nach der Geburt, qualifizierte Stillberatung, familienfreundliche Rahmenbedingungen und eine realistische, wertschätzende Begleitung von Müttern.
Denn Stillen ist zwar biologisch selbstverständlich, aber in der Praxis nicht für jede Mutter problemlos möglich. Eine gute Stillförderung sollte deshalb nicht zusätzlichen Druck erzeugen, sondern Frauen dabei unterstützen, die für sie und ihr Kind passende Ernährungsform zu finden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Robert Koch-Institut: Themenblatt Stillen – Daten zu Stillbeginn, Stilldauer und ausschließlichem Stillen.
- Robert Koch-Institut: Stillverhalten in Deutschland – Neues aus KiGGS Welle 2 – Ergebnisse zu den Geburtsjahrgängen 2009–2016.
- Max Rubner-Institut: Nationale Strategie zur Stillförderung – Zusammenfassung der deutschen Stilldaten und SuSe-II-Ergebnisse.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Stillen und Säuglingsernährung in Deutschland – SuSe II – aktuelle Auswertung der SuSe-II-Daten.
- WHO: Breastfeeding – Definition und Empfehlung zum ausschließlichen Stillen.
- WHO: Global nutrition targets 2030 – Breastfeeding – globale Stillquoten und Ziel für 2030.
Hinweis: Stillen ist eine persönliche Entscheidung. Medizinische Fragen zur Ernährung, Gewichtsentwicklung oder Milchmenge eines Babys sollten mit Hebamme, Kinderärztin, Kinderarzt oder qualifizierter Stillberatung besprochen werden.