Künstliche Befruchtung in Zahlen: Erfolgsquoten von IVF & ICSI im Vergleich 2026

Künstliche Befruchtung in Zahlen Erfolgsquoten von IVF & ICSI im Vergleich 2026

Künstliche Befruchtung ist für viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ein wichtiger Weg zum eigenen Kind. Zu den bekanntesten Verfahren gehören die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Doch wie hoch sind die Erfolgschancen tatsächlich?

Die aktuellen Zahlen des Deutschen IVF-Registers (D·I·R) zeigen: Pro Embryotransfer liegt die Schwangerschaftsrate in Deutschland inzwischen bei rund 30 Prozent. Die tatsächliche Chance auf eine Geburt ist jedoch niedriger und hängt stark vom Alter der Frau, der Behandlungsmethode, der Embryoqualität und weiteren Faktoren ab.

Für 2026 ist besonders interessant, dass das D·I·R inzwischen mehr als 2,6 Millionen Behandlungen dokumentiert hat und über 430.000 nach IVF-Behandlungen geborene Kinder erfasst wurden.

IVF und ICSI: Was ist der Unterschied?

Bei einer IVF werden Eizellen außerhalb des Körpers mit Spermien zusammengebracht. Die Befruchtung erfolgt im Labor, anschließend wird ein entstandener Embryo in die Gebärmutter übertragen.

Bei der ICSI wird dagegen ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht. Dieses Verfahren wird insbesondere dann eingesetzt, wenn die männliche Fruchtbarkeit eingeschränkt ist oder eine Befruchtung bei einer früheren IVF-Behandlung nicht ausreichend funktioniert hat.

ICSI ist inzwischen in Deutschland sehr verbreitet. In der Statistik des D·I·R werden IVF, ICSI sowie kombinierte beziehungsweise entsprechende Behandlungszyklen gemeinsam ausgewertet. Für die Patientinnen und Patienten ist deshalb wichtig, nicht nur auf die Bezeichnung IVF oder ICSI zu schauen, sondern auf die Erfolgswahrscheinlichkeit des gesamten individuellen Behandlungsverlaufs.

Die wichtigsten Erfolgszahlen 2024

Das aktuellste vollständige Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers ist 2026 das Jahrbuch 2024. Darin wurden 131.801 plausible Behandlungszyklen aus 139 Mitgliedszentren ausgewertet.

Die wichtigsten Kennzahlen:

Kennzahl Wert
Plausible Behandlungszyklen 2024 131.801
Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer, Frischzyklus 30,5 %
Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer, Kryozyklus 31,5 %
Geburtenrate pro Embryotransfer, Frischzyklus* 22,5 %
Geburtenrate pro Embryotransfer, Kryozyklus* 21,9 %
Anteil Kryozyklen 37,5 %

*Die im D·I·R-Jahrbuch ausgewiesenen Geburtenraten beziehen sich auf das Behandlungsjahr 2023, da zwischen Embryotransfer und Geburt ein zeitlicher Abstand besteht.

Damit wird ein wichtiger Unterschied deutlich: Eine Schwangerschaftsrate von rund 30 Prozent bedeutet nicht, dass rund 30 Prozent der Transfers zu einer Geburt führen.

IVF-Erfolgsquote: Wie hoch ist die Chance?

Eine einzelne „IVF-Erfolgsquote“ gibt es nicht. Je nachdem, ob man eine Schwangerschaft, eine klinische Schwangerschaft, eine Geburt oder die kumulative Chance nach mehreren Transfers betrachtet, ergeben sich unterschiedliche Werte.

Nach den aktuellen deutschen Registerdaten lag die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer 2024 im Frischzyklus bei 30,5 Prozent. Bei Kryotransfers wurden 31,5 Prozent erreicht.

Das ist bemerkenswert, weil Kryotransfers in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen haben. 2024 entfielen bereits 37,5 Prozent der Behandlungszyklen auf Kryozyklen.

ICSI-Erfolgsquote: Ist ICSI erfolgreicher als IVF?

Die häufige Vorstellung lautet: ICSI sei grundsätzlich erfolgreicher als IVF. So einfach lässt sich das jedoch nicht sagen.

ICSI wurde ursprünglich insbesondere für Situationen entwickelt, in denen die Spermienqualität eine normale Befruchtung erschwert. Bei einer schweren männlichen Fertilitätsstörung kann ICSI deshalb einen entscheidenden Vorteil haben.

Bei Paaren ohne entsprechende Indikation bedeutet die Anwendung von ICSI dagegen nicht automatisch eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Lebendgeburt.

Deshalb sollte man IVF und ICSI nicht wie zwei Medikamente mit einer festen Erfolgsquote miteinander vergleichen. Entscheidend ist vielmehr, warum die jeweilige Methode eingesetzt wird und welche individuellen Voraussetzungen vorliegen.

Das Alter ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren

Eine der deutlichsten Erkenntnisse aus dem D·I·R-Jahrbuch ist die Abhängigkeit der Erfolgsaussichten vom Alter der Frau.

Für 2024 werden folgende Werte für Schwangerschaften und Geburten pro Embryotransfer genannt:

Alter der Frau Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer Geburtenrate pro Embryotransfer
30–34 Jahre 39,0 % 30,9 %
35–40 Jahre sinkend sinkend
41–44 Jahre 17,1 % 9,3 %

Das D·I·R weist ausdrücklich darauf hin, dass Schwangerschafts- und Geburtenraten mit zunehmendem Alter deutlich zurückgehen.

Gerade deshalb ist es problematisch, mit einer einzigen durchschnittlichen IVF-Erfolgsquote für alle Altersgruppen zu werben.

Warum nimmt die Erfolgswahrscheinlichkeit mit dem Alter ab?

Der wichtigste Faktor ist die zunehmende Veränderung der Eizellqualität. Mit steigendem Alter erhöht sich unter anderem die Wahrscheinlichkeit von Chromosomenveränderungen in Eizellen und Embryonen.

Das kann dazu führen, dass:

  • weniger Eizellen gewonnen werden,
  • weniger Eizellen erfolgreich befruchtet werden,
  • weniger Embryonen für einen Transfer zur Verfügung stehen,
  • Schwangerschaften häufiger frühzeitig enden,
  • und die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt pro Behandlung sinkt.

Aktuelle Forschungsdaten unterstreichen diesen Zusammenhang. Eine auf dem ESHRE-Kongress 2026 vorgestellte Analyse zeigte beispielsweise einen deutlichen Rückgang der kumulativen Lebendgeburtenrate mit zunehmendem Alter. Die konkreten Werte stammen allerdings aus einer spezifischen Studienpopulation und sind deshalb nicht mit den deutschen D·I·R-Durchschnittswerten gleichzusetzen.

Frischtransfer oder Kryotransfer?

Bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung muss ein entstandener Embryo nicht zwangsläufig unmittelbar nach der Befruchtung übertragen werden.

Embryonen können eingefroren und später aufgetaut werden. Diese sogenannten Kryozyklen haben in Deutschland stark an Bedeutung gewonnen.

Die D·I·R-Daten zeigen für 2024 sogar eine leicht höhere Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer im Kryozyklus:

Frischzyklus: 30,5 Prozent

Kryozyklus: 31,5 Prozent

Die beiden Werte liegen damit sehr nah beieinander.

Die zunehmende Nutzung der Kryokonservierung ermöglicht außerdem einen wichtigen Vorteil: Nach einer einzigen Eizellgewinnung können gegebenenfalls mehrere Embryotransfers stattfinden.

Die kumulative Erfolgsquote ist besonders interessant

Wer über IVF oder ICSI nachdenkt, sollte nicht ausschließlich auf die Erfolgsquote eines einzelnen Transfers schauen.

Denn ein Paar kann nach einer Eizellentnahme beispielsweise zunächst einen frischen Embryotransfer durchführen und anschließend weitere eingefrorene Embryonen aus derselben Behandlung verwenden.

Das D·I·R hebt genau diesen Punkt hervor: Wenn nach einer Eizellgewinnung zusätzliche Embryonen kryokonserviert werden konnten, kann sich die kumulative Chance über mehrere Transfers deutlich erhöhen. Nach einem Frischtransfer und zwei Kryotransfers konnte sich in den ausgewerteten Daten bereits etwa die Hälfte der Paare über die Geburt eines Kindes freuen.

Das ist für die persönliche Beratung häufig aussagekräftiger als eine isolierte Erfolgsquote pro Transfer.

Ein Embryo statt zwei: Warum die Mehrlingsrate sinkt

Ein weiterer Trend der vergangenen Jahre ist der zunehmende Single Embryo Transfer (SET).

Dabei wird bewusst nur ein Embryo übertragen. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft zu reduzieren.

Das D·I·R berichtet, dass die Mehrlingsrate dadurch deutlich zurückgegangen ist. 2023 lag sie bei Frischzyklen bei 9,3 Prozent und bei Kryozyklen bei 6,2 Prozent. 2017 waren es noch 22,0 Prozent beziehungsweise 15,4 Prozent.

Weniger Mehrlingsschwangerschaften sind medizinisch relevant, weil Zwillings- und höhergradige Mehrlingsschwangerschaften mit erhöhten Risiken verbunden sind, insbesondere für Frühgeburtlichkeit.

Wie viele Kinder werden durch künstliche Befruchtung geboren?

Die langfristigen Zahlen des Deutschen IVF-Registers zeigen die Bedeutung der Reproduktionsmedizin eindrucksvoll.

Seit Beginn der Erfassung wurden laut D·I·R inzwischen 433.858 Kinder nach In-vitro-Fertilisationszyklen geboren. Das Register blickt dabei auf einen Datenbestand zurück, der seit 1982 kontinuierlich gewachsen ist.

Damit gehört die künstliche Befruchtung längst zur etablierten medizinischen Versorgung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

Warum Erfolgsquoten von Kinderwunschkliniken schwer vergleichbar sind

Wer verschiedene Kinderwunschzentren vergleicht, sollte bei Prozentzahlen besonders vorsichtig sein.

Eine Klinik kann beispielsweise besonders viele jüngere Patientinnen behandeln, während eine andere einen größeren Anteil von Patientinnen über 40 Jahren betreut. Schon dadurch können sich die durchschnittlichen Erfolgsquoten erheblich unterscheiden.

Auch Faktoren wie folgende spielen eine Rolle:

  • Alter der Patientin
  • Ursache der Kinderlosigkeit
  • Anzahl und Qualität der Eizellen
  • Spermienqualität
  • Embryoqualität
  • Anzahl bisheriger Behandlungen
  • Frisch- oder Kryotransfer
  • verwendete Behandlungsmethoden
  • Anzahl übertragener Embryonen
  • Begleiterkrankungen

Das D·I·R weist selbst darauf hin, dass konkrete Ergebnisse einzelner Zentren nicht veröffentlicht beziehungsweise nicht direkt miteinander verglichen werden können.

Was bedeutet eine Erfolgsquote von 30 Prozent konkret?

Eine Schwangerschaftsrate von 30 Prozent pro Embryotransfer bedeutet vereinfacht gesagt: Bei 100 vergleichbaren Transfers tritt statistisch bei etwa 30 eine Schwangerschaft ein.

Es bedeutet nicht, dass eine bestimmte Patientin nach drei oder vier Versuchen garantiert schwanger wird.

Statistische Wahrscheinlichkeiten lassen sich nicht auf einzelne Personen übertragen. Ein Paar kann bereits beim ersten Transfer Erfolg haben, während ein anderes Paar mehrere erfolglose Transfers erlebt.

Noch wichtiger ist die Unterscheidung zwischen Schwangerschaft und Geburt. Die D·I·R-Zahlen zeigen beispielsweise für den Frischzyklus eine Schwangerschaftsrate von 30,5 Prozent, während die ausgewiesene Geburtenrate pro Transfer bei 22,5 Prozent lag.

IVF oder ICSI: Was ist 2026 die bessere Methode?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

IVF ist eine etablierte Methode, bei der die Befruchtung im Labor ohne direkte Injektion eines einzelnen Spermiums erfolgt.

ICSI kann insbesondere bei eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit sinnvoll sein, weil dabei ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht wird.

Die Wahl der Methode sollte deshalb anhand der Ursache der Kinderlosigkeit und der individuellen Befunde getroffen werden.

Eine höhere technische Komplexität bedeutet nicht automatisch eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein gesund geborenes Kind.

Künstliche Befruchtung 2026: Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • 131.801 plausible Behandlungszyklen wurden 2024 im D·I·R erfasst.
  • 37,5 Prozent der Zyklen waren 2024 Kryozyklen.
  • Die Schwangerschaftsrate lag 2024 bei 30,5 Prozent pro Embryotransfer im Frischzyklus.
  • Im Kryozyklus wurden 31,5 Prozent Schwangerschaften pro Embryotransfer erreicht.
  • Die Geburtenrate pro Transfer lag im Frischzyklus bei 22,5 Prozent und im Kryozyklus bei 21,9 Prozent, bezogen auf das entsprechend ausgewertete Behandlungsjahr.
  • Bei Frauen zwischen 30 und 34 Jahren lag die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer bei 39,0 Prozent und die Geburtenrate bei 30,9 Prozent.
  • Bei Frauen zwischen 41 und 44 Jahren lagen die entsprechenden Werte bei 17,1 beziehungsweise 9,3 Prozent.
  • Die Mehrlingsrate ist durch den zunehmenden Single Embryo Transfer deutlich gesunken.
  • Insgesamt wurden laut D·I·R inzwischen mehr als 430.000 Kinder nach IVF-Behandlungen geboren.

Fazit: IVF und ICSI sind erfolgreich – aber Alter und Ausgangslage zählen

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass IVF und ICSI inzwischen etablierte Verfahren mit realistischen Erfolgschancen sind. Eine Schwangerschaft nach einem einzelnen Embryotransfer ist jedoch keineswegs garantiert.

Die entscheidenden Faktoren sind vor allem das Alter der Frau, die Eizell- und Embryoqualität, die Ursache der Kinderlosigkeit und der bisherige Behandlungsverlauf.

Für 2026 lässt sich aus den deutschen Registerdaten vor allem eine Entwicklung ablesen: Die Schwangerschaftsraten pro Embryotransfer liegen inzwischen bei rund 30 Prozent, während die kumulative Betrachtung mehrerer Transfers für die Erfolgsaussichten besonders wichtig ist. Gleichzeitig haben Kryokonservierung und Single Embryo Transfer die Behandlung weiter verändert.

Wer eine Kinderwunschbehandlung plant, sollte deshalb nicht nur nach einer möglichst hohen Prozentzahl suchen. Aussagekräftiger ist die Frage: Wie hoch ist meine persönliche Wahrscheinlichkeit für eine Lebendgeburt – und welche Behandlung ist unter meinen individuellen Voraussetzungen sinnvoll?

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Die genannten Erfolgsquoten sind statistische Durchschnittswerte und keine individuelle Prognose. Für eine persönliche Einschätzung sind die Befunde und die Beratung durch ein Kinderwunschzentrum entscheidend.

Nach oben scrollen